28.09.2017 07:31 Alter: 22 days
Kategorie: News: Berufsfeuerwehr, News, TOP News
Von: Kalbfleisch

Geburtshilfe per Telefon durch die Leitstelle Darmstadt

Der kleine Marius besucht die Leitstelle

17.08.2017 23:09 - 23:59 Ort: Bessungen In Kalender eintragen

Marius kam am 17. August in Bessungen auf die Welt - im Treppenhaus. Seinen Eltern Alexandra Converti und Roland Walta blieb damals einfach keine Zeit mehr, rechtzeitig ins Marienhospital zu kommen. Denn Marius hatte es plötzlich ausgesprochen eilig. Um 23.09 Uhr informierte Roland Walta die Leistelle Darmsatdt über die prekäre Lage. Doch als der Rettungswagen sechs Minuten später eintraf, hatte Marius bereits das Licht der Welt erblickt.

Dass trotz der dramatischen Umstände alles gut verlaufen ist, verdanken Alexandra Converti und Roland Walta auch Bernd Becker. Der Rettungsassistent und Hauptbrandmeister hatte als einer der Schichtleiter an diesem Abend Dienst in der Leitstelle der Darmstädter Feuerwehr und die Rolle des telefonischen Geburtshelfers übernommen.

Bernd Becker freut sich: "Es ist eher selten, dass sich jemand mal bedankt." Lea überreicht ihm Süßigkeiten und eine Karte mit Bildern des neugeborenen Marius. Und auch Bernd Becker hat eine Kleinigkeit für die Familie vorbereitet: das Einsatzprotokoll des nächtlichen Ereignisses, versehen mit Stempel und Unterschrift.

Bei der kleinen Feier sind auch Bürgermeister Rafael Reißer und der leitende Branddirektor Johann Braxenthaler anwesend.

Die Familie wollte sich informieren, wie ungewöhnlich denn eine solche Situation ist. Bernd Becker antwortet gelassen: "Dass es vor einer Geburt eng wird, kommt schon öfter mal vor." Aber meistens reiche es noch bis ins Krankenhaus. Oder das Kind komme im Rettungswagen zur Welt. Dass es aber selbst der nicht rechtzeitig schaffe, sei die Ausnahme. "Ungewöhnlich war zudem, dass die Geburt im Treppenhaus stattfand." "Wir waren ja schon vor dem Haus, als mir klar wurde, dass ich es nicht mehr ins Krankenhaus schaffe", berichtet Alexandra Converti. "Es war zum Glück schon meine zweite Geburt. Ich wollte dann nur noch zurück ins Haus. Aber schon hinter der Haustür konnte ich nicht mehr weiter."

Ihr Mann hat schnell die 112 gewählt und erinnert sich noch heute an Bernd Beckers ruhige und sachliche Stimme: "Das tat sehr gut." Selbst in dramatischen Situationen Ruhe zu bewahren, darin ist Becker geschult. Für gängige Notfälle oder Krankheitsbilder stehen den Mitarbeitern der Rettungsstelle zudem Leitfäden zur Verfügung, anhand derer sie via Telefon erste Handlungsanweisungen geben können.

"Früher wurde nach dem Losschicken des Rettungswagens der Hörer aufgelegt", sagt Jens Büttner, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. "Heute bieten wir mehr Service. Noch während der Rettungswagen unterwegs ist, werden bestimmte Algorithmen abgearbeitet und wir bleiben bis zum Eintreffen des Rettungsteams mit dem Anrufer in Kontakt."

Bei Vater Marius reichten die Basisanweisungen aus: Nabelschnur nicht durchschneiden, aufpassen, dass das klitschige Kind, nicht aus den Händen rutscht, und es gleich eingewickelt auf den Bauch der Mutter legen, um es zu wärmen. Atmung und Hautfarbe kontrollieren. "Dann kam ja auch schon der Rettungswagen", erinnert sich Roland Walta an die "Wahnsinns-Aktion." Bernd Becker bietet lachend an: "Beim nächsten Kind können Sie gerne wieder anrufen." Und Alexandra Converti und Roland Walta versprechen: "Dann nennen wir das Kind auf jeden Fall Florian."

Bilder von Frau Mendel Pressestelle